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Vollständige Version anzeigen : Haruki Murakami - Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah


Thomas
07.06.2008, 23:24
Hallo,

heute möchte ich ein paar Zeilen zu Haruki Murakami schreiben, der den meisten bekannt sein dürfte durch seine großen Romanerfolge wie "Naokos Lächeln", "Tanz mit dem Schafsmann", "Mister Aufziehvogel" oder zuletzt "Kafka am Strand". Ein japanischer Kultautor, der v.a. bei uns im Westen größte Hochachtung genießt, da er quasi die Kühlerfigur der modernen japanischen Literatur ist.

Sehr empfehlenswert ist jedenfalls sein erster Band mit Erzählungen "Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah". Mit diesem Band wurde er quasi über Nacht berühmt. Und das meiner Ansicht nach zurecht.

Eine gute Erzählung zu schreiben, ist hohe Kunst, denn man muss auf engem Raum Atmosphäre aufbauen und Charaktere entwickeln. Wofür man in einem Roman teilweise 500 Seiten braucht, muss in einer Kurzgeschichte in 10, 20 Seiten gelingen. Murakami schafft das spielend. Bereits nach den ersten Zeilen ist man für gewöhnlich von den scheinbar banalen Welten, die er aufbaut, gefangen und es trifft einen dann umso härter, wenn er plötzlich den Boden unter den Füßen wegzieht und den Leser in den Abgrund stürzen lässt. Das ist nämlich seine große Kunst. Seine Erzählungen beginnen wie ein laues Sommerlüftchen, alles ist gut, alles ist simpel, die Welt ist auch in Japan schrecklich alltäglich, doch unter dem Alltäglichen lauert das, was wir nicht verstehen, das Irrationale, da warten Möglichkeiten darauf, verpasst zu werden.

Ein wirklich wunderbares Beispiel dafür ist die Titelgeschichte. Ein anderes Highlight in diesem Buch: Die Erzählung "Das Monster", als ein grünes Monster an die Haustüre klopft und der Hausherrin seine Liebe gesteht. Das Ende ist brutal und ich möchte hier nicht näher darauf eingehen - aber es zertrümmert jedenfalls mit wenigen Zeilen die Erwartungen der Leser und entlarvt eigene Vorurteile.

Immer kratzt Murakami am Absurden, lässt den Leser oftmals verblüfft und ratlos zurück angesichts surrealistischer Elemente, die in Alltagssituationen eingreifen. Doch wenn man genauer hinsieht, dann merkt man, dass all das Fantastische, was in Murakamis Geschichten passiert, nur Allegorien für das sind, worum es ihm eigentlich geht: Die Suche des Menschen nach einem roten Faden in seiner Biographie, der Versuch der Anpassung an Verhältnisse, mit denen er eigentlich nichts anfangen kann, denen er sich aber beugen muss.

Eine ganz klare Leseempfehlung. Aber Vorsicht: Nach Murakami kann man süchtig werden!

Viele Grüße

Thomas

Corle
10.06.2008, 09:52
Danke für den Tipp, klingt wirklich sehr interessant. Steht schon auf meiner Leseliste für den Sommer :cool:











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