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Vollständige Version anzeigen : Zustand unseres Bildungssystems


Grüni
02.03.2006, 14:17
Ich schreibe hier (recht ausführlich) zu einem Thema das mich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Ein fortschreitender Prozess in der heimischen Bildungslandschaft bzw. Bildungspolitik, der mir keine Ruhe lässt, weil es sich dabei um eine große Ungerechtigkeit handelt. Ich meine damit die Erlangung staatlicher bzw. staatlich anerkannter Qualifikationen und akademischer Grade.
Es ist mir aufgefallen, dass es insbesondere in den letzten Jahren immer leichter gemacht wurde, zu einem Hochschulstudium zugelassen zu werden und ein solches abzuschließen. Man muss nach der Schulpflicht, dh nach der 9. Schulstufe (entweder das Polytechnikum oder ein Jahr Oberstufe), idR zumindest drei Jahre (AHS) bzw. vier Jahre (BHS) weitere Schulzeit in Kauf nehmen, um zur Reifeprüfung antreten zu dürfen und um damit die Hochschulreife zu erlangen. Das eben beschriebene ist der allseits bekannte, „normale“ Weg. Allerdings gibt es auch noch Abendgymnasien, Berufsreifeprüfungen, Studienberechtigungsprüfungen, usw. Und da fängt für mich die erste Ungerechtigkeit an. Während ich fünf Jahre die Handelsaka-demie besuchte, begnügen sich andere mit dem Polytechnikum und der Berufsschule, verdienen während der Lehre Geld und erwerben Pensionszeiten. Nach dem Lehrabschluss genügt dann ein Schnellsiederkurs um die Studienberechtigungsprüfung abzulegen und so, wie alle Maturanten, an der Universität studieren zu dürfen. Der mögliche Einwand, man lerne doch für das Leben, nicht für die Schule, zieht nur bedingt. Das Wissen, das man sich in der heuti-gen, schnelllebigen Zeit aneignet, verliert in vielen Bereichen rasch an Aktualität. Daher ist die Matura va auch ein Beweis dafür geworden, dass man mit viel Lehrstoff umgehen kann und gewillt ist, Leistung zu erbringen. Diese Reife und ein bestimmtes Maß an Allgemeinbildung ist es, was man von Akademikern grundsätzlich erwartet, wenn man eine Hochschulreife verlangt. Ich halte es daher für nicht zielführend und gerecht, wenn man die Voraussetzung für den Hochschulzugang laufend herabsetzt. Neben dem Lohnvorteil und die bereits angesammelten Pensionszeiten während der Lehrzeit gibt’s als besondere Prämie für jene, die die ganze Sache noch taktisch klug angehen als Draufgabe ein Selbsterhalterstipendium in Höhen von € 7.272,- jährlich, wenn man vier Berufsjahre nachweisen kann. (siehe: http://www.stipendium.at/stbh/170.html)
Als noch bedenklicher empfinde ich den Umstand, dass Hochschulabschlüsse in bestimmten Institutionen immer „billiger“ zu haben sind. Ich stehe Fachhochschulen grundsätzlich kritisch gegenüber. Ich halte es aber für unerträglich, dass nach vierjährigem, berufsbegleitendem Studium der akademische Grad Magister erlangt werden kann. Die meisten Diplomstudien sehen eine Mindeststudiendauer von acht Semestern vor, um am Ende mit dem Titel Magister abzuschließen. Ich kenne viele Studenten und alle benötigen die oben genannte Mindestdauer, um ihr Studium erfolgreich zu beenden. Nebenbei gehen sich bei den meisten höchstens eine geringfügige Beschäftigung und Ferialbeschäftigungen aus. Daher gibt es für mich nur zwei denkbare Lösungen: entweder sind die FH-Studenten, die ein berufsbegleiten-des Studium neben einem 40-Stunden-Job absolvieren, wesentlich intelligenter als „normale“ Studenten, oder die ganze Sache ist einfach wesentlich leichter. Ich glaube an letzteres, weshalb ich es für ungerecht erachte, dass solche Studenten den selben Abschluss erhalten, wie jemand, der sich zumindest vier Jahre an der Universität abmüht. Meinen Ärger zum überkochen gebracht und mich zum Verfassen dieses Schriftstücks gebracht hat ein Inserat/Artikel in der Tiroler Tageszeitung vom 18. Februar 2006 in dem für die Ingenium Friedrich GmbH (www.ingenium.co.at) geworben wird. Diese Gesellschaft bietet HTL-Hochbauabsolventen mit Berufspraxis berufsbegleitend nach ZWEI(!!!) Jahren den Abschluss als Diplomingenieur. Studenten an technischen Fakultäten bzw. Universitäten benötigen dafür meines Wissens mindestens FÜNF Jahre und das ohne Vollzeitjob „nebenbei“.
Ein weiterer Bereich, in dem zu leichtfertig Hochschulabschlüsse vergeben werden, ist jener der Doppelstudien in verwandten Universitätsstudiengängen. Soweit ich weiß bekommen Zahnärzte mittlerweile einen zweiten Doktor für ihre zahnärztliche Facharztausbildung. Dann werden bald alle Fachärzte „DDr.“ auf ihre Praxisschilder schreiben dürfen. Ähnliches findet man in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Dort ist es in Innsbruck beispielsweise möglich zum einen BWL und zum anderen Internationale Wirtschaftswissenschaften zu studieren und abzuschließen und damit zwei mal den akadem. Grad eines Mag.rer.soc.oec zu erlangen, ohne auch nur eine zusätzliche Prüfung zu absolvieren, oder zwei Diplomarbeiten schreiben zu müssen.
Durch dieses „verschenken“ von Studienberechtigungen und Hochschulabschlüssen wird denen, die den klassischen Weg zum Uni-Abschluss wählen der Wert ihrer Arbeit zu einem beträchtlichen Teil genommen. Ich möchte in diesem Zusammenhang sogar von einer staatlich geförderten oder zumindest geduldeten Inflation auf dem Bildungssektor sprechen.

Ich bin schon sehr gespannt auf andere Meinungen!

reg
02.03.2006, 16:12
Also ich finde deine Argumente erstens schon sehr hart und zweitens zum Teil einseitig betrachtet!

Hast du dir schon mal überlegt, dass die Leute, die Abendmatuta/BRP/Studienberechtigung etc. machen viell. nicht die Möglichkeiten hatten, den klass. Bildungsweg bis zur Matura zu gehen und dass es schon sehr hart sein muss neben der Berufstätigkeit diesen Aufwand zu bringen. Ob es leichter ist, kann ich nicht sagen (ebenso fehlt mir der Vergleich zur FH - vom "hörensagen" abgesehen). Aber es gibt ja auch an den BHS/AHS sehr große Unterschiede im Lehrplan, bei der Matura usw. Ich denke aber mal, dass das Studium/FH selber nicht "entgegenkommend" ausfällt und entweder hat sich der Aufwand dann auch gelohnt und der Abschluss ist im wahrsten Sinne "hart erabeitet", oder man stößt ganz einfach an seine Grenzen! Ich finde es grundsätzlich gut, dass diese Möglichkeiten geschaffen wurden!

Zu den Zahnärzten: Bis vor wenigen Jahren war ein Humanmed. Studium notwendig um danach das Zahnmed. Studium absolvieren zu können (2 Studien!) - mann kann nun ohne Humanmed. Studium gleich Zahnmedizin studieren. Wo liegt das Problem, wenn die Zahnärzte, die noch beides machen mussten jetzt dadurch einen DDr. haben?

lg reg

DonJohnson
02.03.2006, 17:02
kompliziertes Thema, man landet schnell bei Pauschalansichten, die nicht allen gerecht werden. Und auch die Diskussion über das Leistungsniveau der 'normalen' Studenten kommt dann schnell daher, denn auch da gibt's nach meiner Erfahrung eine große Anzahl von höchst inkompetenten und unmotivierten Leuten... deshalb nur dieser Denkanstoß: Qualität setzt sich auf dem Markt (fast) immer durch. 'Nachgeschmissene' Studienabschlüsse sind auch der Personalabteilung als solche bekannt. Man sollte -glaube ich- ruhigen Gewissens auf die eigenen Leistungen vertrauen. LG

avanche
10.03.2006, 13:08
Kann mich Don Johnson nur anschliessen. Der Markt entscheidet bzw. die Personalchefs und die sind ja auch nicht auf der Nudelsuppen dahergeschwommen. Auch wenn ich nicht das groesste Vertrauen in das Bildungsystem habe ...vertraue ich dem Markt.
Und wenn das alles versagt bleibt nur das alte Sprichwort.
Jeder ist seines Glueckes eigener Schmied.
Mach das beste draus, im stillen darfst du dich ja weiteraergern ... aber es wirklich jedem Recht machen kannst eh nicht.
Viel glueck fuers Semester!!!

pumuckl
10.03.2006, 13:24
also ich muss Grüni schon im großen und ganzen zustimmen!

Suzanne
10.03.2006, 13:56
ich finde auch, dass Grüni in einigen Punkten schon zuzustimmen ist.

zu den Abendmaturanten, Studienberechtigungsprüfungsabsolventen, Berufsreife etc.: ich habe durchaus nix dagegen, wenn jemand, der die Möglichkeit nicht hatte, in ein Gymnasium zu gehen, auf solche Art und Weise doch zu einer Hochschulreife gelangt. Ich hab aber sehr wohl was dagegen, wenn Leute, die aus drei Gymnasien oder sonstigen Schulen geflogen sind, dann plötzlich "über Umwege" doch noch studieren dürfen. Und oft sinds halt gerade die Leute, die dann billig die Matura nachmachen um auf die Uni zu kommen, da ist wirklich jeder blöd, der seine acht Jahre absitzt und die Schule ordentlich macht.

va
10.03.2006, 15:55
@ Grüni: lehrjahre zählen nicht als zeiten als selbsterhalter - besser zuerst nachschauen :)
weiters würde ich mal den begriff "lernen" ein wenig genauer betrachten. meinst du wirklich, dass lernen nur aus büchern anerkannt werden sollte? eine lehre ist halt eine andere form zu lernen als in einer ahs/bhs, ist sie deshalb so wenig wert um nicht mal studieren zu dürfen? ebenso in einer berufsbegleitenden fh wird halt die arbeitszeit auch mitgewertet. was soll daran schlecht sein?
meinst du etwa dass du mit einem bwl studium und geringfügigen job mehr ausgelastet bist und mehr leistet als jemand der eine berufsbegleitende fh besucht und vollzeit arbeitet???
ich persönlich finde es besser wenn die studienzeiten eher verkürzt werden als verlängert, gerade in der heute schnelllebigen zeit ist es halt nicht von vorteil wenn man ewig braucht um zu studieren bzw einen abschluss zu bekommen (9 jahre bis zum Dr.). natürlich sollte der aufwand um einen gleichen akademischen grad zu erwerben möglichst überall gleich sein.

Kiteon
10.03.2006, 16:59
Also, wenn ich hier einige Beiträge lese, wird mir fast übel. Ich frage mich, aus welchem Grund hier MitstudentInnen anfeindet werden und ihre Daseinberechtigung in Frage gestellt wird? :evil: :evil: :evil:

Ich hätte noch einen Vorschlag für den 1. Beitrag:
Wir kategorisieren jeden einzelnen Studierenden der Uni/FH oder sonstigen akademischen Einrichtung und diskutieren hier darüber, ob die persönlichen, genetischen und schulischen Vorraussetzungen gegeben sind, um ein Studium zu rechtfertigen. Denn es macht mir echt Sorgen, dass hier an der Uni Menschen studieren, die nicht eine ordentliche und traditionelle Schullaufbahn absolviert bzw. eine berechtigte Herkunft haben. Denn ich mit meinem Nebenjob, bin sicherlich nicht gewillt, anderen Menschen ein 10jähriges Studium zu finanzieren, die zuerst eine einfache Lehre gemacht haben.

Wir könnten doch diese Grundproblematik, die im 1. Beitrag geschildert wurde, auch noch auf die Nationalität, Alter und Geschlecht ausweiten. Denn es wäre doch falsch verschiedenen Personengruppen ein Studium zu gewähren, die doch besser hinter den Herd gehören oder in der Fabrik arbeiten sollten, als sich weiterzubilden und ein Hochschulstudium zu absolvieren.

Ich hoffe, man konnte meine Ironie in diesem Beitrag bemerken :shock:

Grüni
16.03.2006, 12:14
Ich sehe mich gezwungen, einige Erläuterungen zu meinem Artikel anzuhängen. Ich sehe eine Matura und akademische Grade als Gütesiegel für den Arbeitsmarkt. In einer Gesellschaft, in der staatliche Abschlüsse immer billiger werden und damit an Wert verlieren, verlangen potentielle Arbeitgeber mehr als „nur“ staatliche Abschlüsse. Das führt dazu, dass die guten Jobs jenen vorbehalten sind, die besonders teure, private Abschlüsse vorweisen können. Beispiel dafür sind die postgradualen Abschlüsse, wie MBA (master of business administration) oder LL.M. (legis magister), die man vorweisen können sollte, wenn man heute bestimmte Positionen anpeilt. Diese Kurse sind aber sündhaft teuer und damit nicht für jedermann erschwinglich (siehe: http://www.postgraduate.at; Bsp: General Management Executive MBA am Management Center Innsbruck für € 24.900). Als Folge der inflationären Abwertung regulärer staatlicher Abschlüsse kommen wir mittel- bis langfristig in die Situation, dass sozial schwächere indirekt ausgeschlossen und damit benachteiligt werden. Eine Situation wie in den USA, wo Havard- und Yale-Absolventen gemachte Leute sind (auch wenn sie nur mit Papis Hilfe dorthin kommen, siehe George W. Bush) und die Absolventen staatlicher Universitäten Abschlüsse zweiter Klasse bekommen.

Zum Selbsterhalterstipendium: Bsp: Ein Handelsschüler macht seinen Abschluss mit 17, Arbeitet vier Jahre und beginnt mit 21 als außerordentlicher Student zu studieren. Innerhalb des ersten Studienjahres muss er die Studienberechtigungsprüfung nachmachen, um zu einem ordentlichen Studenten zu werden. Er/Sie bekommt € 7.272,- jährlich über die gesamte Studiendauer. Ich sehe nicht ein, warum ein Student, wie ich ihn eben beschrieben habe von der Gesellschaft (dem Staat) mit einer Prämie ausgestattet wird und jemand, der bspw. nach einer BHS mit 19 (also lediglich zwei Jahre früher) zu studieren beginnen kann, NICHT. Ich halte das für unfair.

Zum Kommentar von DonJohnson, von wegen die Personalverantwortlichen wüssten bescheid. Dem ist eben nicht so. Ich habe vor kurzem mit einem Studenten gesprochen, der mir erzählt hat, dass er einen solchen Personalchef in einem großen und durchaus bekannten österreichischen Unternehmen kennt und dieser völlig überrascht war, als er von meinem Bekannten erfuhr, dass der tatsächliche Mehraufwand für BWL Studenten zu einem zweiten Mag.rer.soc.oec über VWL zu kommen, dermaßen gering ist. Und das verstehe ich auch. Weil alle paar Jahre gibt es neue Studienpläne und jede Uni entwickelt ihre eigenen. Wie soll da ein Außenstehender noch den Überblick bewahren?

Zum Kommentar von „va“: Ja, ich bin schon der Meinung, dass Lehrjahre NICHT zum Hochschulstudium berechtigen sollten. Was der Tischler-, Mechaniker- oder Frisörlehrling während seiner Lehrzeit an Wissen erwirbt hat ganz und gar nichts mit Hochschulreife zu tun. Und ich bin des weiteren der Meinung, dass Hochschulabschlüsse Wissenserwerb und nicht Berufspraxis dokumentieren sollten. Dass Studierende, die ein Berufsbegleitendes Studium absolvieren, Praxis haben ist schön für diese, und eine Qualifikation für sich, hat aber nichts mit dem Hochschulabschluss an sich zu tun. Man kann nicht die Tätigkeit bspw. einer Sachbearbeiterin, die nebenbei ein berufsbegleitendes FH Studium macht mit einem Kurs inkl. Fachprüfung gleichsetzen und damit anrechnen.

Zu meinem schärfsten Kritiker, „Kiteon“: 1. Ich feinde keine Mitstudenten an, ich stelle das System in Frage und das sollte in einer Demokratie erlaubt sein. 2. Ich stelle auch nicht das Grundrecht auf Bildung in Frage. Ich bin aber der Ansicht, dass es kein Grundrecht auf einen „Hochschulabschluss für jedermann“ gibt bzw. geben sollte. Man verlangt auch von Gewerbetreibenden, dass sie Qualifikationen erfüllen, um den Gewerbeschein zu bekommen. Dadurch wird das Grundrecht auf freie Berufswahl auch nicht verletzt. Aber man schützt dadurch die Konsumenten. Und so ähnlich ist es mit Uni-Abschlüssen.
Ich lade Kiteon dazu ein, Argumente und nicht nur Polemiken als Antwort auf meinen Eingangsbeitrag zu präsentieren.

christoph123
16.03.2006, 12:47
Meine Meinung ist, dass hier durch nicht sonderlich überzeugende Argumentation einfach ein Wunsch nach "Elite bzw. Exklusivität" verborgen wird.

Zum Glück aber ist Bildung nichts mehr "exklusives" und keiner braucht sich als etwas besseres zu fühlen weil er studiert.

Ich zumindest habe keine Probleme damit, dass man auch ohne Matura in anderer Form sich das Recht erwerben kann zu studieren. Die Leistung muss im Studium dann sowieso erbracht werden.

roli*
16.03.2006, 13:50
Zum Selbsterhalterstipendium: Bsp: Ein Handelsschüler macht seinen Abschluss mit 17, Arbeitet vier Jahre und beginnt mit 21 als außerordentlicher Student zu studieren. Innerhalb des ersten Studienjahres muss er die Studienberechtigungsprüfung nachmachen, um zu einem ordentlichen Studenten zu werden. Er/Sie bekommt € 7.272,- jährlich über die gesamte Studiendauer. Ich sehe nicht ein, warum ein Student, wie ich ihn eben beschrieben habe von der Gesellschaft (dem Staat) mit einer Prämie ausgestattet wird und jemand, der bspw. nach einer BHS mit 19 (also lediglich zwei Jahre früher) zu studieren beginnen kann, NICHT. Ich halte das für unfair.


ich würde dir vorschlagen dein studium zu unterbrechen, 4 jahre arbeiten zu gehen und es dann wieder aufzunehmen. dann brauchst hier nicht rumzujammern und bekommst auch die förderungen - mit denen könntest du dir ja dann evtl ein studium an der harvard universität finanzieren. hättest dann auch gleich 2 fliegen mit einer klappe erschlagen.
erstens würden dir 7.272 euro jährlich fürs "nixtun" geschenkt und 2tens hättest du dir mit deinem harvardabschluss im gegensatz zu den billigen abschlüssen, wie sie bei uns "angeboten" oder sollte ich sagen nachgeworfen werden, einen deutlichen vorteil verschafft - zumindest was dein ego betrifft.

engerl
16.03.2006, 14:03
ich würde dir vorschlagen dein studium zu unterbrechen, 4 jahre arbeiten zu gehen und es dann wieder aufzunehmen. dann brauchst hier nicht rumzujammern und bekommst auch die förderungen - mit denen könntest du dir ja dann evtl ein studium an der harvard universität finanzieren. hättest dann auch gleich 2 fliegen mit einer klappe erschlagen.
erstens würden dir 7.272 euro jährlich fürs "nixtun" geschenkt und 2tens hättest du dir mit deinem harvardabschluss im gegensatz zu den billigen abschlüssen, wie sie bei uns "angeboten" oder sollte ich sagen nachgeworfen werden, einen deutlichen vorteil verschafft - zumindest was dein ego betrifft.

kann hier nicht vernünftig diskutiert werden, ohne gleich jemanden persönlich anzugreifen?
es muss doch möglich sein, verschiedene standpunkte zu diskutieren und die jeweilige meinung mit argumenten zu untermauern, ohne jemand anderen anzugreifen, weil man nicht dessen meinung ist?

christoph123
16.03.2006, 15:46
ich würde dir vorschlagen dein studium zu unterbrechen, 4 jahre arbeiten zu gehen und es dann wieder aufzunehmen. dann brauchst hier nicht rumzujammern und bekommst auch die förderungen - mit denen könntest du dir ja dann evtl ein studium an der harvard universität finanzieren. hättest dann auch gleich 2 fliegen mit einer klappe erschlagen.
erstens würden dir 7.272 euro jährlich fürs "nixtun" geschenkt und 2tens hättest du dir mit deinem harvardabschluss im gegensatz zu den billigen abschlüssen, wie sie bei uns "angeboten" oder sollte ich sagen nachgeworfen werden, einen deutlichen vorteil verschafft - zumindest was dein ego betrifft.

Sehr gut formuliert!
Ich denke, damit hast dus auf den Punkt gebracht.

PS:
Ich weiß zwar nicht wie hoch der Anteil der Selbsterhalterstipendien-Bezieher bzw. derer ist, die nicht durch eine "normale" Matura studieren, aber ich kenne z.B. keinen, der solche "Leistungen" in Anspruch nehmen würde.
Von daher ist dieses "Problem" sicher nicht von großem Ausmaß. (Im übrigen halte ich ja solche Leistungen und Möglichkeiten für sinnvoll und durchaus gerechtfertigt)

va
16.03.2006, 16:54
ich würde dir vorschlagen dein studium zu unterbrechen, 4 jahre arbeiten zu gehen und es dann wieder aufzunehmen. dann brauchst hier nicht rumzujammern und bekommst auch die förderungen - mit denen könntest du dir ja dann evtl ein studium an der harvard universität finanzieren. hättest dann auch gleich 2 fliegen mit einer klappe erschlagen.
erstens würden dir 7.272 euro jährlich fürs "nixtun" geschenkt und 2tens hättest du dir mit deinem harvardabschluss im gegensatz zu den billigen abschlüssen, wie sie bei uns "angeboten" oder sollte ich sagen nachgeworfen werden, einen deutlichen vorteil verschafft - zumindest was dein ego betrifft.

das wär doch ein versuch wert, nicht? :D
dann müsstest du dich hier nicht herumplagen mit den anderen (hochschul)unreifen studenten, die ungerecht bevorzugt und die auf nicht klassischem wege erreichte stellung des studenten einnehmen dürfen :idea:

Suzanne
16.03.2006, 17:15
Ich weiß zwar nicht wie hoch der Anteil der Selbsterhalterstipendien-Bezieher bzw. derer ist, die nicht durch eine "normale" Matura studieren, aber ich kenne z.B. keinen, der solche "Leistungen" in Anspruch nehmen würde.
Von daher ist dieses "Problem" sicher nicht von großem Ausmaß. (Im übrigen halte ich ja solche Leistungen und Möglichkeiten für sinnvoll und durchaus gerechtfertigt)

Ich kenne einige. Grad ein Beispiel: da frag ich einen Stipendienbezieher (der übrigens in mehreren Schulen die Möglichkeit gehabt hätte, "normal" die Matura zu machen und danach zu studieren, aber er ist überall hinausgeflogen und hat daher Studienberechtigungsprüfung gemacht) wies ihm so im Studium geht und ob er denn schon bald fertig wird (war übrigens eine normale Unterhaltung und keine darüber wie man zur Hochschulreife oder zu Stipendien kommt). Die Antwort war "ja eigentlich könnt ich schon bald fertig sein, aber ich bekomme Selbsterhalterstipendium und das will man logischerweise bis aufs letzte ausnützen".

Suzanne
16.03.2006, 17:26
Zum Selbsterhalterstipendium: Bsp: Ein Handelsschüler macht seinen Abschluss mit 17, Arbeitet vier Jahre und beginnt mit 21 als außerordentlicher Student zu studieren. Innerhalb des ersten Studienjahres muss er die Studienberechtigungsprüfung nachmachen, um zu einem ordentlichen Studenten zu werden. Er/Sie bekommt € 7.272,- jährlich über die gesamte Studiendauer. Ich sehe nicht ein, warum ein Student, wie ich ihn eben beschrieben habe von der Gesellschaft (dem Staat) mit einer Prämie ausgestattet wird und jemand, der bspw. nach einer BHS mit 19 (also lediglich zwei Jahre früher) zu studieren beginnen kann, NICHT. Ich halte das für unfair.


das versteh ich auch nicht - meiner meinung nach verletzt das den gleichheitsgrundsatz. ich finde, auch jemand der nach der matura gleich studiert und sich nebenbei halt "selbst erhält" müsste das stipendium kriegen.

roli*
16.03.2006, 17:35
Die Antwort war "ja eigentlich könnt ich schon bald fertig sein, aber ich bekomme Selbsterhalterstipendium und das will man logischerweise bis aufs letzte ausnützen".

pro studienabschnitt gibts ein semester tolleranz - ist man drüber, muss man das geld wieder zurückzahlen. also auf die faule haut kann man sich nicht legen.

Grüni
16.03.2006, 17:36
Ich neide niemanden das Geld. Ich werfe auch niemanden vor, wenn er gesetzliche Ausgangssituationen zu seinen Gunsten (aus-)nützt. Ich würde das auch tun und ich habe das auch schon getan. Ich stelle, wie oben schon gesagt, das System in einigen Punkten in Frage. Ich denke bspw, dass die ohnehin sehr knappen öffentlichen Ressourcen im Bildungsbereich fairer und damit besser genutzt werden könnten.

Zum Vorwurf "Elitedenken": Ich beurteile Menschen ganz sicher nicht nach Abschlüssen. Ich komme aus einer sogenannten "bildungsfernen Schicht" und ich komme vom Land und wer dort in eine Dorfgemeinschaft eingebunden ist, hat überwiegend mit Leuten zu tun, deren höchster Abschluss der Lehrabschluss ist. Und da halte ich mich nicht für etwas besseres.
Ich denke aber schon, dass die Mehrheit der Studenten die Mühen eines Hochschulstudiums aus zwei Gründen auf sich nehmen: 1. Um sich Wissen anzueignen und 2. um sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren - sich für potentielle Arbeitgeber begehrt zu machen. Je angesehener ein Abschluss ist, desto leichter tut man sich bei der Jobsuche.
Gewisses Elitedenken erwarte ich mir von Maturanten bzw. noch mehr von angehenden Akademikern schon. Wenn es nämlich darum geht, in öffentlichen Diskussionen in einer entsprechenden Form zu diskutieren. Da stelle ich an diese höhere Anforderungen als an Bierzelt- & Stammtischrunden.

Ich glaube, der Umstand, dass keine wirklichen Argumente gegen meine Gedanken in diesem Forum auftauchen deutet darauf hin, dass ich nicht ganz unrecht habe. Falls doch noch jemandem Argumente einfallen, lasse ich mich gerne umstimmen. Ich freue mich übrigens auch über zustimmende Meinungen!

va
16.03.2006, 17:37
Ich kenne einige. Grad ein Beispiel: da frag ich einen Stipendienbezieher (der übrigens in mehreren Schulen die Möglichkeit gehabt hätte, "normal" die Matura zu machen und danach zu studieren, aber er ist überall hinausgeflogen und hat daher Studienberechtigungsprüfung gemacht) wies ihm so im Studium geht und ob er denn schon bald fertig wird (war übrigens eine normale Unterhaltung und keine darüber wie man zur Hochschulreife oder zu Stipendien kommt). Die Antwort war "ja eigentlich könnt ich schon bald fertig sein, aber ich bekomme Selbsterhalterstipendium und das will man logischerweise bis aufs letzte ausnützen".

es gibt meist überall schwarze schafe, aber dennoch finde ich es gut dass es sowas wie das selbsterhalterstipendium gibt.

Suzanne
16.03.2006, 18:26
pro studienabschnitt gibts ein semester tolleranz - ist man drüber, muss man das geld wieder zurückzahlen. also auf die faule haut kann man sich nicht legen.

wirklich? das ganze geld aber wohl nicht oder sondern man bekommt halt ab dem zeitpunkt nichts mehr.

wie ist das eigentlich, wenn einer das stipendium kassiert und dann sein studium abbricht - muss der auch was zurückzahlen?

roli*
16.03.2006, 18:35
wirklich? das ganze geld aber wohl nicht oder sondern man bekommt halt ab dem zeitpunkt nichts mehr.

wie ist das eigentlich, wenn einer das stipendium kassiert und dann sein studium abbricht - muss der auch was zurückzahlen?

da gibts so gewisse stunden die man pro semester machen muss - im endeffekt hast halt pro abschnitt ein semester tolleranz. bist jetzt z.b. im 5 semester und machst grad deine letzten 3 kurse vom 1. abschnitt - schaffst die dann nicht, musst für dieses semester das geld zurückzahlen. is ja a nied so lustig wenn ma auf einmal einen betrag von 3.500 euro zahlen muss.

bricht man ab muss ma nix zurückzahlen.

greez roli

engerl
16.03.2006, 18:53
Ich stelle, wie oben schon gesagt, das System in einigen Punkten in Frage. Ich denke bspw, dass die ohnehin sehr knappen öffentlichen Ressourcen im Bildungsbereich fairer und damit besser genutzt werden könnten.

ich denke auch, dass das ganze nicht immer fair ist. es gibt auch studenten, die gleich nach der matura studieren beginnen, sich ebenfalls selbst erhalten bzw sich selbst das studium finanzieren müssen - die fallen durch den rost, weil sie nicht 4 jahre gearbeitet haben. das ist meiner meinung nach nicht fair.

Ich freue mich übrigens auch über zustimmende Meinungen!
ich stimm dir zu ;)

avanche
16.03.2006, 19:03
Interessante diskussion vor allem weil man irgendwie jegliche standpunkte nachvollziehen kann. Das Grundproblem ist doch das man nicht alle ueber einen kam scheeren kann. aber vielleicht sollten wir hier alternativen suchen. oder da wir doch eh an einer sozial und wirtschaftswissenschaftlichen uni sind basteln wir ein modell. nur als vorschlag vielleicht kommt ja was bei raus.
zuerst die zielbestimmung: z.B. Qualifizierte Kraefte fuer wirtschaft und forschung im internationalen wettkampf in weniger als 5 jahren
oder hat jemand eine bessere idee???

avanche
16.03.2006, 19:10
Probleme:
1)Zugang frei und darf nicht zuviel kosten
2)Unterschiedliche Einkommensverteilung durch Eltern
3) Unterschiedliche Einsiegsvorraussetzungen

reg
17.03.2006, 08:49
"Ich glaube, der Umstand, dass keine wirklichen Argumente gegen meine Gedanken in diesem Forum auftauchen deutet darauf hin, dass ich nicht ganz unrecht habe. Falls doch noch jemandem Argumente einfallen, lasse ich mich gerne umstimmen. Ich freue mich übrigens auch über zustimmende Meinungen!"

Ich glaube eher, dass es daran liegt, dass der "rote Faden" fehlt und die Recherche schlecht ist!

In deinem ersten Beitrag beschwerst du dich darüber, dass der Zugang zum Bildungssystem so leicht gemacht wird (2. Bildungsweg + Finanzierung desselben) und dass einem Abschlüsse "nachgeworfen" werden

Im zweiten Beitrag greifst du dann speziell das Selbsterhalterstipendium auf kritisierst aber gleichzeitig, dass die am Arbeitsmarkt begehrten Abschlüsse so teuer sind und sozial schwache benachteiligt werden

Im dritten Beitrag distanzierst du dich davon "dich für besser zu halten" und forderst gleichzeitig aber ein gewisses "Elitedenken" ein

Warum schaut keiner auf die von dir angegeben Seite www.stipendium.at - ich hab's getan! Da steht, dass man "sozial bedürftig" sein muss um das Selbsterhalterstipendium zu erhalten, und gleiches gibts für die "Sofort-Studenten": dort heißt es Studienbeihilfe, ebenfalls soziale Bedürftigkeit Voraussetzung, Rückzahlungsregelungen und Dauer: alles genau angegeben!

Ich find halt die Argumentation sehr widersprüchlich, ebenso, wenn Abbrechern der 2. Bildungsweg geneidet wird, während er jenen, die die Chance nicht hatten zugestanden wird: die kommen dann beide mit dem "gleichen Rüstzeug" an die Uni. Entweder bekamens beide "billig", oder beide mussten sich gleich hart dafür anstrengen (glaub ich eher), wo wir dann bei der Zentralmaturadebatte wären!

Ich bin selber schon gespannt, wie die "Master" Kosten nach der Bologna-Architektur-Umstellung ausschauen (habe auch schon festgestellt, dass die bislang reichlich teuer waren), ebenso die Selektionsregelungen vom Bachelor zum Master (im Standard angekündigt)...

lg reg

bushman
17.03.2006, 13:51
zitat von reg:

Warum schaut keiner auf die von dir angegeben Seite www.stipendium.at - ich hab's getan! Da steht, dass man "sozial bedürftig" sein muss um das Selbsterhalterstipendium zu erhalten, und gleiches gibts für die "Sofort-Studenten": dort heißt es Studienbeihilfe, ebenfalls soziale Bedürftigkeit Voraussetzung, Rückzahlungsregelungen und Dauer: alles genau angegeben!


ich weiß nicht ob du studienbeihilfe beziehst, ich tue es jedenfalls. Die Daten die auf www.stipendium.at angegeben sind, sind jedenfalls totaler schwachsinn. Ich kenne jedenfalls einige studenten, deren beide eltern arbeiten gehen und die nicht unbedingt "sozial bedürftig" sind. Dennoch erhalten sie nicht wenig studienbeihilfe (ich möchte mich dabei übrigens nicht ausnehmen).

den grundgedanken von grüni halte ich für richtig. ich komme ebenfalls vom land (vielleicht kennt grüni mich ja?) und als ich in die volks- bzw. hauptschule ging hatte ich noch vor leuten mit titeln respekt. doch heute, wo ich selbst vor dem abschluss des studiums stehe, weiß ich, (wie grüni es gesagt hat) wie nachgeworfen die titel sind. meiner meinung nach ist es fast schon unmöglich - wenn man zu studieren beginnt - das studium zu verhauen, denn sogar die ärgsten geistigen vegetarier finden irgendwie den weg zum studienabschluss.
über die ganze diskussion mit dem selbsterhalterstipendium möchte ich mich nicht äußern, weil ich ehrlich gesagt keine ahnung davon habe, doch in bezug auf das nachwerfen des studiums kann ich mich grüni nur vollstens anschließen.

Betty
17.03.2006, 16:01
Ich schreibe hier (recht ausführlich) zu einem Thema das mich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Ein fortschreitender Prozess in der heimischen Bildungslandschaft bzw. Bildungspolitik, der mir keine Ruhe lässt, weil es sich dabei um eine große Ungerechtigkeit handelt. Ich meine damit die Erlangung staatlicher bzw. staatlich anerkannter Qualifikationen und akademischer Grade.
Es ist mir aufgefallen, dass es insbesondere in den letzten Jahren immer leichter gemacht wurde, zu einem Hochschulstudium zugelassen zu werden und ein solches abzuschließen. Man muss nach der Schulpflicht, dh nach der 9. Schulstufe (entweder das Polytechnikum oder ein Jahr Oberstufe), idR zumindest drei Jahre (AHS) bzw. vier Jahre (BHS) weitere Schulzeit in Kauf nehmen, um zur Reifeprüfung antreten zu dürfen und um damit die Hochschulreife zu erlangen. Das eben beschriebene ist der allseits bekannte, „normale“ Weg. Allerdings gibt es auch noch Abendgymnasien, Berufsreifeprüfungen, Studienberechtigungsprüfungen, usw. Und da fängt für mich die erste Ungerechtigkeit an. Während ich fünf Jahre die Handelsaka-demie besuchte, begnügen sich andere mit dem Polytechnikum und der Berufsschule, verdienen während der Lehre Geld und erwerben Pensionszeiten. Nach dem Lehrabschluss genügt dann ein Schnellsiederkurs um die Studienberechtigungsprüfung abzulegen und so, wie alle Maturanten, an der Universität studieren zu dürfen. Der mögliche Einwand, man lerne doch für das Leben, nicht für die Schule, zieht nur bedingt. Das Wissen, das man sich in der heuti-gen, schnelllebigen Zeit aneignet, verliert in vielen Bereichen rasch an Aktualität. Daher ist die Matura va auch ein Beweis dafür geworden, dass man mit viel Lehrstoff umgehen kann und gewillt ist, Leistung zu erbringen. Diese Reife und ein bestimmtes Maß an Allgemeinbildung ist es, was man von Akademikern grundsätzlich erwartet, wenn man eine Hochschulreife verlangt. Ich halte es daher für nicht zielführend und gerecht, wenn man die Voraussetzung für den Hochschulzugang laufend herabsetzt. Neben dem Lohnvorteil und die bereits angesammelten Pensionszeiten während der Lehrzeit gibt’s als besondere Prämie für jene, die die ganze Sache noch taktisch klug angehen als Draufgabe ein Selbsterhalterstipendium in Höhen von € 7.272,- jährlich, wenn man vier Berufsjahre nachweisen kann. (siehe: http://www.stipendium.at/stbh/170.html)
Als noch bedenklicher empfinde ich den Umstand, dass Hochschulabschlüsse in bestimmten Institutionen immer „billiger“ zu haben sind. Ich stehe Fachhochschulen grundsätzlich kritisch gegenüber. Ich halte es aber für unerträglich, dass nach vierjährigem, berufsbegleitendem Studium der akademische Grad Magister erlangt werden kann. Die meisten Diplomstudien sehen eine Mindeststudiendauer von acht Semestern vor, um am Ende mit dem Titel Magister abzuschließen. Ich kenne viele Studenten und alle benötigen die oben genannte Mindestdauer, um ihr Studium erfolgreich zu beenden. Nebenbei gehen sich bei den meisten höchstens eine geringfügige Beschäftigung und Ferialbeschäftigungen aus. Daher gibt es für mich nur zwei denkbare Lösungen: entweder sind die FH-Studenten, die ein berufsbegleiten-des Studium neben einem 40-Stunden-Job absolvieren, wesentlich intelligenter als „normale“ Studenten, oder die ganze Sache ist einfach wesentlich leichter. Ich glaube an letzteres, weshalb ich es für ungerecht erachte, dass solche Studenten den selben Abschluss erhalten, wie jemand, der sich zumindest vier Jahre an der Universität abmüht. Meinen Ärger zum überkochen gebracht und mich zum Verfassen dieses Schriftstücks gebracht hat ein Inserat/Artikel in der Tiroler Tageszeitung vom 18. Februar 2006 in dem für die Ingenium Friedrich GmbH (www.ingenium.co.at (http://www.ingenium.co.at)) geworben wird. Diese Gesellschaft bietet HTL-Hochbauabsolventen mit Berufspraxis berufsbegleitend nach ZWEI(!!!) Jahren den Abschluss als Diplomingenieur. Studenten an technischen Fakultäten bzw. Universitäten benötigen dafür meines Wissens mindestens FÜNF Jahre und das ohne Vollzeitjob „nebenbei“.
Ein weiterer Bereich, in dem zu leichtfertig Hochschulabschlüsse vergeben werden, ist jener der Doppelstudien in verwandten Universitätsstudiengängen. Soweit ich weiß bekommen Zahnärzte mittlerweile einen zweiten Doktor für ihre zahnärztliche Facharztausbildung. Dann werden bald alle Fachärzte „DDr.“ auf ihre Praxisschilder schreiben dürfen. Ähnliches findet man in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Dort ist es in Innsbruck beispielsweise möglich zum einen BWL und zum anderen Internationale Wirtschaftswissenschaften zu studieren und abzuschließen und damit zwei mal den akadem. Grad eines Mag.rer.soc.oec zu erlangen, ohne auch nur eine zusätzliche Prüfung zu absolvieren, oder zwei Diplomarbeiten schreiben zu müssen.
Durch dieses „verschenken“ von Studienberechtigungen und Hochschulabschlüssen wird denen, die den klassischen Weg zum Uni-Abschluss wählen der Wert ihrer Arbeit zu einem beträchtlichen Teil genommen. Ich möchte in diesem Zusammenhang sogar von einer staatlich geförderten oder zumindest geduldeten Inflation auf dem Bildungssektor sprechen.

Ich bin schon sehr gespannt auf andere Meinungen!
meine antwort bezieht sich jetzt nur auf den beitrag von grüne!

1. lautet meine devise: schei* auf die titel, die frage ist --> kann man was oder kann man nix. und daran ändert oft auch ein titel nix. und ob man was kann oder nicht zeigt sich am bestem im alltäglichen wirtschaftsleben. deshalb halte ich die ganze titelreiterei sowieso für einen blödsinn.

2. würde ich abgängern von HAK oder sonstigen Maturagängen gar nicht erlauben sofort auf die uni zu gehen. ich würde mindestens 3 oder 4 jahre arbeitserfahrung verlangen (und das nicht in ferienjobs, sondern in vollzeitjobs). und wenn man keinen job bekommen sollte, dann sollte man selbständig erfolgreich was versuchen.

das sind jetzt harte worte und hohe anforderungen aber von nix kommt nix. büchle lesen, gelegentlich was verstehen und auswendig lernen, um dann - oft vorab abschätzbare - prüfungsfrage beantworten zu können --> also bitte! was sind wir für kinder?

das müsste in der heutige zeit auch locker nebenher gehen und nicht full-time. effizient gemeinsam laufend lernen, das ist die devise. life long learning

nach diesen meinen worten, friede mit euch :)

Miky
18.03.2006, 21:24
Hallo!

Also prinzipiell bin ich nach Abschluss meines Studiums schon der Meinung, dass der Titel nicht so viel wert ist, wie er von vielen (vor allem auf dem Land) gewertet wird. Wenn sie daherkommen, "Du musst das wissen, Du bist ja a Studierte", kommt Dir schon manchmal das Grinsen.

Aber: Es hängt von jedem Einzelnen ab, wieviel er aus dem Studium mitnimmt, und nicht zu vergessen, wie er es danach umsetzen kann: Ich kenne jemanden, der die Uni (in Italien) mit 110 e lode abgeschlossen hat, das wäre so wie "Notendurchschnitt 1 und noch ein Lob obendrauf", der sicherlich fachlich vieles drauf hat. Aber er kann das einfach nicht umsetzen: Jegliche Arbeit, die er beginnt, muss jemand anderer fertigmachen, da er die praktische Anwendung bzw. die operative Umsetzung einfach nicht auf die Reihe bringt.

Und Grüni argumentiert eigentlich eher mit dem Parameter JAHREN als mit den Parametern WISSEN: Ich hab die Matura in der Abendschule in 3 Jahren gemacht, habe aber bei der Matura neben den "normalen" Maturanten gesessen und dieselbe Arbeit wie diese geschrieben. Ist deren Matura jetzt besser als meine, da sie 5 Jahre in der Schule gesessen haben?

Oder anders ausgedrückt: Wenn ich mein Studium in 3,5 Jahren abschliesse, und Du in 7 Jahren, ist Dein Abschluss dann der bessere?

Oder diskutieren wir über Inhalte: Wenn jemand eine klassische Matura gemacht hat und deshalb mit Wirtschaft bisher nicht in Berührung gekommen ist, wieso sei dem dann erlaubt, an der Heiligen Sowi zu studieren, jemandem, der mit einem Hobel gearbeitet hat, aber nicht? Der eine kann Latein, der andere kennt sich mit Lärche, Fichte und Vogelaugenahorn aus, aber beides ist für die Sowi nicht relevant. So what?

Was ist überhaupt Hochschulreife? Wenn ich auf der Uni dieselbe Leistung bringe wie alle anderen, dann bin ich doch hochschulreif, oder nicht?

Richtig ist, dass sich die Personalchefs bei den ganzen Studienplänen nicht auskennen, aber genauso richtig ist auch, dass der Titel nur einen Teil des Bewerberprofils ausmacht (ausmachen sollte). Ansonsten wäre das Vorstellungsgespräch und die Probezeit ja vergebliche Mühe.

Ich bin da Idealist und hoffe, dass im Endeffekt doch die Leistung zählt: Natürlich kann es anfangs von Vorteil sein, einen Studienabschluss vorweisen zu können, aber anschließend, so hoffe ich, hängt es doch von der Leistung des Einzelnen ab, ob er weiterkommt oder nicht. Leider gibt es hier auch Ausnahmen.....

LG
Miky

Hubman
20.03.2006, 18:20
Zum Vorwurf "Elitedenken": Ich beurteile Menschen ganz sicher nicht nach Abschlüssen. Ich komme aus einer sogenannten "bildungsfernen Schicht" und ich komme vom Land und wer dort in eine Dorfgemeinschaft eingebunden ist, hat überwiegend mit Leuten zu tun, deren höchster Abschluss der Lehrabschluss ist. Und da halte ich mich nicht für etwas besseres.
Ich denke aber schon, dass die Mehrheit der Studenten die Mühen eines Hochschulstudiums aus zwei Gründen auf sich nehmen: 1. Um sich Wissen anzueignen und 2. um sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren - sich für potentielle Arbeitgeber begehrt zu machen. Je angesehener ein Abschluss ist, desto leichter tut man sich bei der Jobsuche.
und genau das hat mit der studienberechtigung nichts zu tun; wissen aneigenen und qualifikation erwirbt man von sich aus; das bekommt man nicht, in dem man eine "einfachere" berechtigung erhalten hat; darum geht deine kritik an diversen anderen arten der studienberechtigung ins leere

in österreich bekommt ohnehin schon jeder ****, der die oberstufe geschafft die matura ohne größere probleme, die ist schon lange kein qualifikationsmerkmal mehr

Gewisses Elitedenken erwarte ich mir von Maturanten bzw. noch mehr von angehenden Akademikern schon. Wenn es nämlich darum geht, in öffentlichen Diskussionen in einer entsprechenden Form zu diskutieren. Da stelle ich an diese höhere Anforderungen als an Bierzelt- & Stammtischrunden.du erwartest dir elitendenken? na supa; aber wenn man den absatz weiterliest, sieht man, dass du nicht weißt, was man darunter versteht; man kann sich höheres niveau aneigenen ohne in elitendenken zu verfallen (hier kann ich mich vollinhaltlich christophs erstem post in diesem thread anschließen)


Ich glaube, der Umstand, dass keine wirklichen Argumente gegen meine Gedanken in diesem Forum auftauchen deutet darauf hin, dass ich nicht ganz unrecht habe. Falls doch noch jemandem Argumente einfallen, lasse ich mich gerne umstimmen.du liest anscheinend die posts nicht; es gibt hier klare argumente dagegen; du gehst nur nicht darauf ein
mehr als bildungspolitische klischees sind allerdings in deinem startpost auch nicht zu finden; also nichts, was inhaltlich diskutabel wäre, dazu fehlt der hintergrund und das niveau

alleine schon der vorwurf "man bekommt titel immer einfacher/zu einfach" kann echt nur in einem staat wie österreich von einem studenten/einer studentin kommen

btw. was hat dieser thread mit dem "Zustand unseres Bildungssystems" zu tun, es geht ausschließlich darum, wie leicht andere Titel kriegen/auf der Hochschule zugelassen werden











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